Ein Straßenschild zum Nachdenken …
Auch wenn ich normalerweise keine große Sympathie für die Bahn hege, habe ich manchmal einfach keine andere Wahl als mit dem Zug zu fahren. Wenn es nicht gerade nach Berlin oder Hamburg geht, ist das Fliegen innerhalb Deutschlands gerade spontan einfach zu teuer und der Zeitvorteil geht auch schneller flöten als man denkt. Und dank diversen Bahn-Lastminute-Aktionen sind Zugtickets an manchen Tagen zu Spottpreisen zu haben. Schade um’s Flugerlebnis, aber was soll’s …
So geschehen im Januar, als ich nach Köln unterwegs war. Wie fast jedes Mal musste ich wieder einmal in Mannheim umsteigen, wo sich aber zum Glück die Wartezeit in Grenzen hielt. Aber immer wenn ich für kurze Zeit am hiesigen Hauptbahnhof bin, renne ich mal schnell aus dem Bahnhofsgebäude. Denn neben der quadratischen Innenstadt von Mannheim gibt es dort ein Straßenschild, das mich irgendwie fasziniert.
Allerdings hatte ich es bisher immer wieder vergessen, nach der genauen Bedeutung zu fragen.
Zuerst dachte ich einen simplen Scherz oder eine Partnerstadt, die durch ein solches Schild geehrt werden soll. Einen Hinweis auf die Bedeutung dieser leicht wirren Ortsangabe sucht man nämlich vergebens. Was genau ist denn dieses “Gurs”? Wenn man der Richtung des Straßenschildes glauben darf, liegt es eindeutig im Westen der Stadt. Erst die Wikipedia half mir auf die Sprünge. Gurs ist der Name eines französischen Dorfes am Westrand der Pyrenäen. Mit nur 400 Einwohnern kommt dieser Ort leider nicht als Patenstadt von Mannheim mit seinen 300.000 Einwohnern in Frage.
Der Grund für dieses Schild ist viel mehr das Camp de Gurs – ein Konzentrationslager, das selbst vor dem zweiten Weltkrieg schon ein riesiges Internierungslager war. Auch aus Deutschland wurden hier viele Juden deportiert und mussten unter menschenunwürdigen Bedingungen leben. Angeblich starben dort während des Krieges im Durchschnitt sieben Menschen pro Tag. Bei dem Schild handelt es sich somit um ein Mahnmal.
Tja, und so wird man tatsächlich durch ein einfaches Straßenschild an ein Stück grausame Geschichte erinnert und so zum Nachdenken angeregt. Möge so etwas Schreckliches wie Deportationen nie wieder passieren …
Sehr interessanter Bericht, Cowboy. Danke dafür!
Ich denke, so eine Art Mahnmal regt mehr zum Nachforschen und -denken an als die klassischen Bronzetafeln etc. Kuhle Idee!
@Franca: Absolut! Ich finde die Idee auch dreimal besser, da hier Neugierde geweckt wird und man sich erst ein wenig mit dem Gegenstand beschäftigt und nicht gleich in eine Art “Abwehrhaltung” verfällt und das Denkmal einfach ignoriert.
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