Meteoriten und Dash Cameras: Warum springen in Russland viele Menschen freiwillig vor ein Auto?
Eigentlich hatte ich gestern Abend schon meine Kamera bereit gestellt und die Optik geschärft. Denn bekanntlich sollte der Asteroid mit dem leicht kryptischen Namen 2012 DA14 mit geringem Abstand an der Erde vorbei düsen.
Ok, ich geb’s ja zu, dass die Chancen von Anfang an richtig schlecht für meinen tollkühnen Plan standen. Ein 60 Meter großer Asteroid hätte bei einer Entfernung von etwa 28.000 Kilometer wirklich nicht mehr als eine helle Pixelspur auf meinem Foto erzeugt. Allerdings machte das Wetter mir sowieso einen Strich durch die Rechnung und legte die komplette Bundesrepublik unter eine dicke Wolkendecke. So ein Mist!
Überhaupt kommt es mir so vor, als würde ich schon seit Wochen permanent in eine dicke Wolkendecke glotzen. Wann habe ich eigentlich das letzte Mal die Sonne gesehen?
Egal. Es kann ja nicht jeder soviel Erfolg haben, wie die Damen und Herren im Ural, die in den letzten Tagen diverse Meteoritenschauer mit ihrem Autokameras gefilmt hatten. Auch wenn dort leider sehr viele Menschen verletzt wurden, sind die Aufnahmen doch sehr imposant.

Allerdings brachte mich diese und viele weitere Meteoriten-Aufnahmen zu einer interessanten Fragestellung: Wieso besitzen so viele Autos in Russland eingebaute Kameras, die während der Fahrt einfach nur die Straße filmen?
In Deutschland kennt man diese Geräte eher von Verfolgungsjagden bei denen Polizeiautos involviert sind.
Tatsächlich sind solche Dash Cameras in Russland ein absolutes Must-Have des Straßenverkehrs. Was hierzulande unvorstellbar ist, scheint in manchen einsamen sibirischen Landstrichen Alltag zu sein: Die Schuldfrage eines Unfalls wird in Prügeleien ausdiskutiert. Ein Polizist, der den Unfall aufnehmen könnte, kommt in schlimmsten Fall vielleicht überhaupt nicht. Und wenn er nach langer Zeit eben doch den Weg zum Unfallort findet, ist die Situation vielleicht schon eskaliert oder Beweise wurden entfernt bzw. verschoben. In diesem Fall hilft nur eine Dash Camera, die ständig während der Fahrt mitläuft. Solche Aufnahmen sind in Russland nicht nur vor Gericht zugelassen. Sie sind häufig der einzige Weg einen Unfall zu rekonstruieren.
Richtig schlimm wird die Sache aber erst bei fingierten Unfällen. Das folgende Video ist eine Zusammenstellung von vermeintlichen Fällen von Versicherungsbetrug, bei denen Schmerzensgeld erpresst werden sollte. Eines haben alle Clips gemeinsam: Passanten warten auf Autos oder Busse, um sich dann vor die Motorhauben zu schmeißen.
Wer sich nach solchen Videos jetzt auch eine Kamera ins Auto bauen will, findet entsprechende Geräte bei ebay bereits ab 30$. Allerdings muss man damit rechnen, dass Videobeweise in Deutschland im Moment noch relativ wertlos sind, da Gerichte solche Aufnahmen fast nie als Beweise anerkennen.
Sollte es aber mal zur Abwechslung schönes Wetter mit blauen Himmel haben, könntet ihr mit so einem Gerät wenigstens mehr Glück beim Fotografieren von Meteoriten haben als ich.
Mal ernsthaft, von klein an bekommt man beigebracht, dass die Römer spinnen.. aber die Russen sind da um einiges heftiger drauf!! oO
:-)
Haha, über genau DEN Artikel hatte ich auch nach gedacht. Inklusive dem Best Of Video mit Autounfällen.
Hehe, ich schüttel immer noch den Kopf. Wie kann das nur freiwillig tun?